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Helios 11: Ein selbstgebautes Boot, das mit der Sonne reist
In einem finnischen Schuppen baute Lukas Sjöman ein elf Meter langes Boot, das seinen Fahrstrom selbst erzeugt. Die Helios 11 vereint einen leichten Sperrholzrumpf, großflächige Solarmodule und einen elektrischen Antrieb. Auf seiner Reise bis nach Ibiza stellte der Finne das ungewöhnliche Konzept auf die Probe.
Rund 200 Arbeitstage investierte Lukas Sjöman in ein Projekt, bei dem Konstrukteur, Bootsbauer und späterer Skipper weitgehend dieselbe Person waren. Fernab einer professionellen Werft entstand in Finnland die Helios 11: ein bewohnbares Solarboot für ausgedehnte Reisen. Anschließend führte Sjöman seinen Eigenbau über europäische Gewässer bis nach Ibiza. Medienberichte beziffern die zurückgelegte Strecke auf etwa 5.700 Kilometer – gefahren ohne konventionellen Kraftstoff.
Die technische Idee lässt sich bereits an der Silhouette erkennen. Ein lang gestreckter, flacher Aufbau hält die Windangriffsfläche klein, während große Solarflächen das Erscheinungsbild bestimmen. Die dunkle Gestaltung verleiht dem Boot einen markanten Auftritt. Entscheidend ist jedoch die Funktion: Die Helios 11 soll mit möglichst wenig Energie vorankommen und zugleich ausreichend Strom für das Leben an Bord gewinnen.

Dafür spielt das Gewicht eine wesentliche Rolle. Der ungefähr elf Meter lange Rumpf wurde aus Marinesperrholz und Glasfaser gefertigt. Für das Boot werden rund 1,5 Tonnen angegeben. Bei einem bewohnbaren Fahrzeug dieser Länge ist das ein auffallend niedriger Wert. Die leichte Konstruktion unterstützt Sjömans Ziel, den Leistungsbedarf für die Fortbewegung gering zu halten. Erst diese Sparsamkeit macht die verfügbare Sonnenenergie als Grundlage längerer Fahrten interessant.
Die Stromversorgung übernehmen handelsübliche Photovoltaikmodule, wie sie auch auf Gebäuden verwendet werden. Sie befinden sich auf dem Dach und an seitlichen Flächen. Ihre Energie wird in Batterien gespeichert und für den elektrischen Antrieb sowie die Versorgung an Bord genutzt. Damit gehören Solaranlage, Energiespeicher und Motor zu einem gemeinsamen System, dessen Leistungsfähigkeit den Reisealltag bestimmt.
Die Motorleistung wird mit sechs Kilowatt angegeben. Weniger eindeutig sind die veröffentlichten Werte zur Solaranlage und zur Batteriekapazität: Sie unterscheiden sich zwischen den Berichten, während Sjöman seinen Prototyp weiter verändert. Einen anschaulichen Eindruck vom praktischen Betrieb vermittelt eine dokumentierte Passage über 55 Seemeilen. Dabei war die Helios 11 mit ungefähr sechs Knoten unterwegs und erreichte das Ziel mit noch 65 Prozent Batterieladung. Umgerechnet sind das etwa 102 Kilometer bei einer Geschwindigkeit von rund elf Kilometern pro Stunde.

Unter den Solarflächen verbirgt sich eine einfache Unterkunft. Schlafmöglichkeiten, eine elektrische Kochstelle, ein Kühlschrank und eine Toilette mit Spülfunktion bilden die wesentliche Ausstattung. Nach Sjömans eigener Einschätzung eignet sich die Helios 11 in ihrem aktuellen Zustand besonders für ein bis zwei Personen. Schlafplätze bietet sie seiner Aussage zufolge sogar für fünf Menschen. Der Ausbau ermöglicht damit längere Aufenthalte auf dem Wasser, ohne den sparsamen Grundgedanken des Bootes aufzugeben.
Wie gut das System arbeitet, hängt allerdings von den Bedingungen unterwegs ab. Bewölkung und Sonnenstand beeinflussen die Stromerzeugung; Wind und Wellen verändern den Energiebedarf. Ergänzend verfügt das Boot über ein kleines Hilfssegel. Dass sorgfältige Planung notwendig bleibt, erlebte Sjöman auf einer nächtlichen Etappe: Den Ankerplatz erreichte er nach eigener Schilderung erst mit praktisch leerer Batterie. Die Fahrt machte deutlich, welche Bedeutung Energiereserven bei einem solchen Konzept haben.

Auch der Alltag an Bord liefert Erkenntnisse für weitere Verbesserungen. Sjöman berichtet von Hitze und gelegentlicher Feuchtigkeit im Innenraum. Eine Klimaanlage ist nicht vorhanden. Hinzu kommen Nächte, in denen das leichte Boot am Ankerplatz rollt und der Schlaf entsprechend unruhig ausfällt. Die Helios 11 ist somit zugleich Reiseboot und schwimmender Versuchsträger, an dem sich Stärken und Schwächen unmittelbar erfahren lassen.
Für seinen tatsächlichen Bau nennt Sjöman Kosten von rund 30.000 Euro. Die häufig ebenfalls angeführten 18.000 Euro haben eine andere Grundlage: Dieser Betrag stammt aus seiner nachträglichen Kalkulation für ein besser geplantes Gesamtsystem im Jahr 2026. Wer die Wirtschaftlichkeit des Eigenbaus beurteilen möchte, muss zwischen den realen Ausgaben für den Prototyp und der berechneten Summe für einen optimierten Nachbau unterscheiden.

Die Helios 11 zeigt, wie eng bei einem Solarboot Form, Gewicht, Antrieb und Ausstattung zusammenhängen. Jede eingesparte Last und jeder vermiedene Verbrauch helfen dabei, mit dem selbst erzeugten Strom weiterzukommen. Lukas Sjöman hat diese Überlegung in ein bewohnbares Boot umgesetzt – und seine Konstruktion auf Tausenden Kilometern erprobt. Die Reise liefert damit praktische Erfahrungen für eine Art des Bootfahrens, bei der die verfügbare Energie den Entwurf und den Kurs mitbestimmt.
Text: Christian Klumpp / medienmacher.eu
Bilder: Lukas Sjöman ( Instagram, priv.)





